Dissertation/These OnlineInfoling 1.17 (2021)

Autor/ra:Lübke, Mailyn
Fecha de lectura o defensa:4 de May de 2020
Título de la tesis:Die Glossen in der arabischen Dioskurides-Übersetzung des Ms. Paris, BnF, arabe 2849 [The glosses of the Arabic Dioscorides’ translation of Ms. Paris, BnF, arabe 2849]. Teiledition und Analyse romanischer und lateinischer Elemente [Partial edition and analysis of Romance and Latin elements]
Director/a de la tesis:Guido Mensching
Codirección:Isabel Toral-Niehoff
University/College:Georg-August-Universität Göttingen
Department:Seminar für Romanische Philologie
Country:Alemania
Descripción de la tesis

The main aim of this dissertation is to edit and comment upon numerous glosses containing Romance and Latin lexical vocabulary from the first two books (maqālāt) of the Arabic version of Dioscorides’ Materia Medica found in manuscript Paris, BnF, arabe 2849. The book is divided into two parts (Part I: Study; Part II: Commented edition). The Parisian codex is a late copy (dated 1219) of the 9th-century Arabic translation of the Dioscorides text by Iṣṭifan ibn Basīl (Versio Stephani), revised by Ḥunayn ibn Isḥāq. As emerges from part I, the copy preserved in the Parisian manuscript was probably made in the east of the Islamicate world, or, more precisely, in the Levant, possibly in Damascus. The paper manuscript includes comments in the form of glosses by the original translator Iṣṭifan and the reviser Ḥunayn, which were taken from the Vorlage. But the manuscript also has numerous additional glosses from different hands. These glosses are usually shortened entries from medico-botanical works from the Moorish part of the Iberian Peninsula (al-Andalus). A total of about 400 Romance and Latin lexical items from al-Andalus were found in the entire manuscript, of which about 150 were dealt with in detail in the dissertation. This Romance lexical material, which is written in Arabic letters, proved to belong to the extinct linguistic varieties of “Mozarabic” (here the more appropriate term Old Southern Ibero-Romance is used), partially showing diverging, innovative (and possibly northern) Romance variants. Apart from the extensive discussion of the Romance and Latin words within the framework of the study of Old Southern Ibero-Romance, the work on the glosses led to the insight that – differently from what has been assumed up to now – the glosses probably did not originate on the Iberian Peninsula but in the east of the Islamicate world. Further results of the dissertation relate to the relevance of the Latin sources (in particular that of the Etymologiae by Isidore of Seville) as well as to the fact that the Parisian manuscript was collated with another version probably originating from al-Andalus.

 

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Hauptziel der Dissertation ist die kommentierte Edition zahlreicher Glossen mit romanischem und lateinischem Wortgut aus den ersten beiden Büchern (maqālāt) der arabischen Dioskurides-Übersetzung aus dem Manuskript Paris, BnF, arabe 2849. Die Arbeit ist in zwei Teilen angelegt (Teil I: Studie; Teil II: kommentierte Edition). Das Pariser Manuskript ist eine späte, auf das Jahr 1219 datierte Kopie der von Ḥunayn ibn Isḥāq revidierten arabischen Übersetzung des Dioskurides-Texts Materia Medica aus dem 9. Jh. von Iṣṭifan ibn Basīl (Versio Stephani). Wie in Teil I der Arbeit herausgestellt wird, ist die in dem Pariser Manuskript enthaltene Kopie im Osten der islamisch geprägten Welt, genauer gesagt in der Levante, möglicherweise in Damaskus, erstellt worden. Der Papierkodex beinhaltet Kommentare in Form von Glossen des ursprünglichen Übersetzers Iṣṭifan sowie des Überprüfers Ḥunayn, die aus der Vorlage übernommen wurden. Darüber hinaus verfügt die Handschrift über zahlreiche weitere Glossen verschiedener Glossatorenhände, bei denen es sich in der Regel um gekürzte Einträge aus medizinisch-botanischen Werken aus der maurischen Iberoromania (al-Andalus) handelt. Insgesamt wurden etwa 400 romanische und lateinische Wortbelege aus al-Andalus in der gesamten Handschrift gesichtet, von denen etwa 150 in der Dissertation ausführlich behandelt wurden. Das in arabischer Schrift überlieferte romanische Wortgut konnte dem ausgestorbenen „Mozarabischen“ (hier wird der angemessenere Terminus Altsüdiberoromanisch verwendet) zugeordnet werden, wobei die Pariser Handschrift z.T. abweichende, innovative (und ggf. nördliche) romanische Formen belegt. Abgesehen von der ausführlichen Besprechung der romanischen und lateinischen Wörter im Kontext der Erforschung des Altsüdiberoromanischen führte die Arbeit an den Glossen zu der Erkenntnis, dass diese höchstwahrscheinlich nicht, wie bisher angenommen, auf der iberischen Halbinsel entstanden sind, sondern im Osten der islamisch geprägten Welt. Weitere Ergebnisse der Arbeit betreffen die Relevanz der lateinischen Quellen (insbesondere der Etymologiae des Isidor von Sevilla) sowie die Kollationierung des Pariser Manuskripts mit einer anderen – wahrscheinlich aus Al-Andalus stammenden – Handschrift. 

Subject Area(s):Lingüística histórica, Lingüística románica
Table of Contents

I. Studie

 

1. Einleitung

1.1. Gegenstand der Arbeit

1.2. Ziele und Struktur

1.2.1. Teil I (Studie)

1.2.2. Teil II (Edition und Kommentar)

1.3. Erste Anmerkungen zur Textgeschichte

 

2. Grundlagen

2.1. Marginal- und Interlinearglossen und ihre Funktion als Paratexte

2.1.1. Zur Relevanz von Glossen

2.1.2. Die Glossen aus Ms. Paris, BnF, arabe 2849 vor dem Hintergrund einer arabischen Glossenlehre

2.2. Lehr- und Lernpraktiken in den arabophonen Gesellschaften des Mittelalters

2.2.1. Medizinische Ausbildung und Studiensystem

2.2.2. Methoden (I): Diktieren und Memorieren

2.2.3. Methoden (II): Erwerb von Zertifikaten und Arten der Kollationierung

2.2.4. Studienzentren und Mobilität im Bereich der Medizin

2.2.5. Zusammenfassung und Bezug zum Pariser Manuskript

2.3. Die Protagonisten der Marginalia des Ms. Paris, BnF, arabe 2849

2.3.1. Ibn Ǧulǧul

2.3.2. al-Išbīlī

2.3.3. b. Ṣāliḥ

2.3.4. Ibn al-Rūmiyya

2.3.5. Ibn al-Bayṭār

2.3.5.1. Ibn al-Bayṭārs Arbeitsweise: Tafsīr versus Ǧāmiʿ

2.3.5.2. Möglicher Bezug Ibn al-Bayṭārs zum Ms. Paris, BnF, arabe 2849

2.4. Zwischenfazit und Vertiefung der Fragestellung 

 

3. Geschichtlicher und sprachhistorischer Kontext

3.1. Historische Grundlagen mit Schwerpunkt auf dem 13. Jahrhundert

3.2. Geschichte des arabischen Schrifttums in der Iberoromania ab dem 13. Jahrhundert

3.3. Romanische Sprachen auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter

3.4. Das Altsüdiberoromanische

3.4.1. Definition und Grundlagen

3.4.2. Quellenlage zum Altsüdiberoromanischen

3.4.2.1. Glossare

3.4.2.2. Medizinisch-botanische/pharmakologische Zeugnisse

3.4.2.3. Jarchas und Zéjeles

3.4.2.4. Onomastik

3.4.2.5. Latein der Mozaraber

3.4.2.6. Zwischenfazit

3.4.3. Das arabische Schriftsystem zur Wiedergabe iberoromanischer (und lateinischer) Lexeme

3.4.3.1. Alphabet und phonologische Besonderheiten der arabischen Schriftzeichen

3.4.3.2. Vokale und Vokalzeichen

3.4.3.3. Konsonanten

3.4.3.4. Zusammenfassung und Schwierigkeiten

3.4.4. Sprachliche Phänomene des Altsüdiberoromanischen

3.4.4.1. Phonetische Charakteristika: Vokalismus

3.4.4.2. Phonetische Charakteristika: Konsonantismus

3.4.5. Die arabischen Sprachbezeichnungen für das Altsüdiberoromanische

3.4.6. Zur Stellung des Lateinischen in der hispano-arabischen-medizinischbotanischen Literatur

 

4. Forschungsstand

4.1. Forschungsstand zum medizinisch-botanischen Vokabular in al-Andalus

4.2. Zum Altsüdiberoromanischen und seiner lexikologisch-etymologischen Erforschung

4.3. Kritische Bewertung des Forschungsstands zum Altsüdiberoromanischen

4.4. Forschungsstand zum Manuskript

4.4.1. Forschungsstand zum Haupttext

4.4.2. Forschungsstand zu den Glossierungen

4.5. Zusammenfassende Bewertung des Forschungsstands

 

5. Text- und Handschriftengeschichte

5.1. Beschreibung des Ms. Paris, BnF, arabe 2849

5.2. Erneute Betrachtung der Geschichte der Pariser Handschrift anhand neuer Daten

5.2.1. Damaskus als möglicher Entstehungsort des Manuskripts?

5.2.2. Konstantinopel

5.2.3. Kairo

5.2.4. Paris

5.2.5. Iberische Halbinsel?

5.2.6. Zusammenfassung

5.3. Allgemeines zur Textfiliation

5.4. Vorlage des Manuskripts

5.5. Vorherige Klassifizierung der Hände des Ms. Paris, BnF, arabe 2849

5.6. Versuch einer neuen Klassifizierung der Hände

5.6.1. Hand 0

5.6.2. Hand 1

5.6.3. Hand 2

5.6.4. Hand 3

5.6.5. Hand 4

5.7. Zwischenfazit zur Text- und Manuskriptgeschichte

 

6. Sprachliche und inhaltliche Auswertung der Hände

6.1. Hand 0

6.2. Hand 1

6.2.1. Abweichungen

6.2.2. Verwendung von Vokalzeichen und Diakritika

6.2.3. Einfügen der Präposition de

6.2.4. „Romanisierung“ griechischer Elemente im Zuge der Kollation

6.2.5. Stellungnahmen und Erklärungen eines Urhebers (lī)

6.3. Hand 2

6.4. Hände 3 und 4

6.5. Zusammenfassung und Diskussion

 

7. Schlussbetrachtung und Ausblick

 

Bibliographie

 

II. Edition

 

1. Methoden und Konventionen bei der Edition

1.1. Aufbau der Edition

1.1.1. Grundlegendes zur Makro- und Mikrostruktur der Edition

1.1.2. Feinstruktur der Einträge 

1.2. Transliteration und Transkription

1.3. Editionskriterien

1.4. Weitere Spezifika und Abkürzungsverzeichnis

1.4.1. In der Edition und im Kommentar verwendete Symbole und Abkürzungen

1.4.2. Arabische Abbreviaturen, Siglen und Verweiszeichen

1.4.3. Weitere relevante Abkürzungen und Begriffe

1.4.4. In der Transliteration und Transkription verwendete Zeichen

 

2. Kommentierte Teiledition der Glossen zu Buch I

 

3. Kommentierte Teiledition der Glossen zu Buch II

 

Abbildungs-, Karten- und Tabellenverzeichnis

 

Anhang

 

Indices

Número de págs.:577


Fecha de publicación en Infoling:9 de January de 2021
Remitente:
Mailyn Lübke
Georg-August-Universität Göttingen
<mailyn.luebkeuni-goettingen.de>